Vor den Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise scheint so schnell keiner gefeit zu sein. Was ändert das aber für die nächste Generation von Arbeitern/Forschern, die gerade in Ausbildung und eigentlich jetzt schon am Arsch sind? Quimonda geht Pleite, Daimler fährt größere Verluste als erwartet ein etc. pp. Insgesamt kein wirklich gutes und Mut machendes Szenario, oder?
Was macht also die neue Nicht-Elite, was macht der durchschnittliche Student der Geisteswissenschaften, der förmlich in die digitale Bohème hineingezwungen wird sich selbst in eine digitale Bohème hineinzuzwängen scheint, wenn alles den Bach runter geht? Schließlich sind aktuelle geisteswissenschaftliche Studiengänge was ihre späteren Berufsfelder angeht so überflexibel, dass sie schon wieder austauschbar werden, oder, wenn man damit nicht mitgehen will, in ihrer praktischen Relevanz schlichtweg sinnlos wirken. Wer braucht schon hunderttausende Soziologen in einer Welt, deren wichtigstes gesellschaftliches Thema die alltägliche Nahrungssuche wird? Wozu soll ich in Vorlesungen und Seminaren studieren, wie ein Fragebogen aufgebaut sein sollte, wenn ich die gleiche Erkenntnis auch in einigen eigenen Versuchen erlangen kann. Solcherlei Ausbildungen lassen sich mit etwas Übertreibung sicher auch als existenziell unrelevantes Luxusgut auffassen.
Was bleibt also, welche Aussichten bieten sich für die Zukunft? Ein noch stärkerer Trend hin zum “freien”, zum selbstständigen und bohemischen Arbeiten als es ohnehin schon der Fall ist? Doch eher dem bohemischen Ideal der elitären, studierten Armut frönen? Oder sich lieber den bodenständigeren Ausbildungen, jene, mit deren Hilfe sich das Leben mit eigener Hand und eigenem Körpereinsatz bestreiten lässt, widmen? Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es sich mit dem Verhältnis Geisteswissenschaften/Naturwissenschaften bei den nächsten Imma-Runden verhalten wird und ob durch solche Situationen nicht vielleicht doch eine stärkere darwinsche Auslese in den praktischen Geisteswissenschaften die Folge sein wird.

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